Armaturenliste

Steckbrief

Eine Armaturenliste (valve list oder valve schedule) ist eine tabellarische Übersicht aller Stammdaten von Armaturen einer verfahrenstechnischen Anlage, eines Anlagenteiles oder eines bestimmten Fließschemas. Eine Armaturenliste kann entweder manuell (z.B. mit Excel) oder mithilfe eines datenbankgestützten Zeichenprogramms für Fließschemata erstellt werden.

Umfang

Eine Armaturenliste enthält in der Regel alle Armaturen einer verfahrenstechnischen Anlage. Für den Umfang der Armaturenliste gibt es keine eindeutige Regelung und der Umfang kann je nach Anlagenkomplexität und Firmenphilosophie variieren. Typischerweise sind in einer Armaturenliste folgende Komponenten enthalten:

  • Manuelle Absperrarmaturen
  • Automatisierte Absperrarmaturen
  • Rückschlagarmaturen
  • Be- und Entlüftungsarmaturen

Der Typ der Armatur (z.B. Kükenhahn oder Nadelventil) ist dabei unerheblich für die Beurteilung, ob eine Armatur in die Armaturenliste mit aufgenommen wird oder nicht.

Optional können noch weitere Komponenten mit in die Armaturenliste aufgenommen werden:

  • Regelventile: Regelventile müssen sehr abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen ausgelegt werden und sind meist in der Verantwortung der EMSR-Abteilung. Deshalb sind Regelventile oft in der Messstellenliste zu finden.
  • Sicherheitsarmaturen: Sicherheitsventile und Berstscheiben sind ebenfalls sehr spezifisch ausgewählt und stellen andere Anforderungen, die sich in einer allgemeinen Armaturenliste nicht gut darstellen lassen (z.B. Ansprechdruck, Unterschiedlich große Prozessanschlüsse, etc.).
  • Blenden und Steckscheiben: Diese werden oft separat in einer Liste für Rohrleitungs-Sonderteile (piping speciality list) erfasst.
  • Schmutzfänger: Diese werden oft separat in einer Liste für Rohrleitungs-Sonderteile (piping speciality list) erfasst.
  • Kondensatableiter: Diese werden oft separat in einer Liste für Rohrleitungs-Sonderteile (piping speciality list) erfasst.
  • Schaugläser: Diese werden oft separat in einer Liste für Rohrleitungs-Sonderteile (piping speciality list) erfasst.

Inhalt

Allgemeines

  • Projektdaten: Projektname, Projektnummer, Auftraggeber und ggf. Ort der verfahrenstechnischen Anlage
  • Verantwortliche Personen: Projektverantwortliche inklusive Kontaktmöglichkeiten
  • Revisionstabelle: Revisionsnummer, Dokumentenstatus, Ersteller, Prüfer, Freigeber und Freigabedatum

Informationen

Folgende Informationen sind typischerweise in einer Armaturenliste vorhanden:

  • Referenzkennzeichnung (tag): Referenzkennzeichnung der Armatur.
  • R&I Nummer: Nummer des R&I, auf welchem die Armatur zu finden ist.
  • Rohrleitungsnummer: Referenzkennzeichnung der Rohrleitung, in welcher sich die Armatur befindet. Ist die Armatur an einem Apparat oder einer Maschine angebracht, wird keine Rohrleitungsnummer angegeben.
  • Medium: Medium, mit welchem die Armatur in Kontakt ist.
  • Armaturtyp: Bauart der Armatur, wie beispielsweise Kugelhahn, Nadelventil, Rückschlagklappe, etc.
  • Aktuatortyp: Bauart des Aktuators, wie beispielsweise Handhebel, Handrad, Kolbenantrieb, Magnetantrieb.
  • Stellungsrückmeldung: Information, ob die Armatur über einen oder mehrere Stellungsrückmeldungen verfügt.
  • Auslegungstemperatur (design temperature)
  • Auslegungsdruck (design pressure)
  • Nennweite: Gewählte Nennweite der Armatur (z.B. nach DIN EN ISO 6708 für Stahlleitungen).
  • Druckstufe: Gewählte Druckstufe (PN) der Armatur nach DIN EN 1333.
  • Prozessanschluss (end connection): Anschlussart der Armatur an die Rohrleitung (z.B. geflanscht, eingeschweißt oder geschraubt) unter Angabe der zutreffenden Norm.
  • Normalstellung: Stellung, in welcher sich die Armatur während des normalen Betriebs befindet. Gängige Abkürzungen sind hierbei:
    • NO (normally open)
    • NC (normally closed)
    • LO (locked open)
    • LC (locked closed)
    • Die Benennung findet nur einmal statt, ein Kugelhahn welcher mit LO markiert wird, ist damit auch automatisch NO. Für nicht zutreffende Armaturentypen (z.B. Rückschlagklappen) wird dieses Feld leer gelassen.
  • Sicherheitsstellung: Stellung, in welche die Armatur automatisch fährt, wenn ihre Energie- oder Steuersignale ausfallen. Gängige Abkürzungen sind hierbei:
    • FO (fail open)
    • FC (fail closed)
    • FIP oder FL (fail in place oder fail in last position)
    • Die Sicherheitsstellung ist nur für automatisierte Armaturen zutreffend und wird für andere Armaturen leer gelassen.
  • Hersteller
  • Modell: Eindeutige Modellnummer, die vom Hersteller vergeben wurde.
  • Material: Oft aufgeteilt nach den einzelnen Komponenten der Armatur.
  • Anmerkung: Sonstige Kommentare und Anmerkungen zur jeweiligen Armatur.

Beispiel

TagR&I-NummerRohrleitungsnummerMediumArmaturtypAktuatortypStellungsrückmeldungAuslegungstemperaturAuslegungsdruckNennweiteDruckstufeProzessanschlussNormalstellungSicherheitsstellungHerstellerModellMaterialAnmerkung
HV1401010041401-001VE-WasserKlappeHandhebel100 °C10 bargDN80PN10Flansch EN 1092-1/11/B1NOtbdtbd1.4571
HV1401020021401-003VE-WasserKlappeHandrad100 °C10 bargDN200PN10Flansch EN 1092-1/11/B1NCtbdtbd1.4571
HV1512010021512-001InstrumentenluftNadelventilHandhebel60 °C12 bargDN25PN16G ½“ IG nach DIN EN ISO 228LCtbdtbd1.4404
HV1610010091610-001Wasser-GlykolKlappeHandrad100 °C8 bargDN350PN10Flansch EN 1092-1/11/B1NOtbdtbd1.4404
XV1610010171610-001Wasser-GlykolKlappeMembranantriebEndanschlag100 °C8 bargDN200PN10Flansch EN 1092-1/11/B1NOFCtbdtbd1.4571
HV1700010151700-001NassdampfKugelhahnHandhebel200 °C40 bargDN50PN40Flansch EN 1092-1/11/B1LCtbdtbd1.4571

Normenverzeichnis

NummerBezeichnung
DIN EN 1333Flansche und ihre Verbindungen – Rohrleitungsteile – Definition und Auswahl von PN
DIN EN ISO 228Rohrgewinde für nicht im Gewinde dichtende Verbindungen
DIN EN ISO 6708
Rohrleitungsteile – Definition und Auswahl von DN (Nennweite)
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