Armaturstellungen

Armaturen können verschiedene Stellungen in verfahrenstechnischen Anlagen einnehmen. Dazu gehört die Normalstellung im normalen Betrieb der Anlage, Verriegelungsstellungen um ein unbeabsichtigtes Betätigen der Armaturen zu verhindern und Sicherheitsstellungen beim Ausfall von Hilfsenergien und Steuersignalen. Die Armaturstellungen werden sowohl in der Armaturenliste eingetragen, als auch im Rohrleitungs- und Instrumentenfließschema dargestellt.

Normalstellung

Die Normalstellung (normal position), auch Grundstellung oder Ruhestellung, gibt an, in welcher Stellung sich eine Armatur im normalen Anlagenbetrieb befindet. Die Stellung kann sowohl für manuelle Armaturen als auch automatisierte Armaturen angegeben werden. Für abgesperrte Rohrleitungen wird ebenfalls als Anmerkung angegeben, wenn diese keinen Durchfluss im normalen Betrieb haben (beispielsweise mit der Abkürzung nnf (no nominal flow) im R&I).

Für die Darstellung der Normalstellung im R&I gibt es keine normative Vorgabe. Es hat sich entweder ein Darstellen über die Farbe des Armaturenkörpers (links) oder mit einer Anmerkung (rechts) durchgesetzt. In beiden Fällen sollte die Darstellung auf der R&I-Legende erklärt werden. Wenn eine Armatur auch eine Verriegelungsstellung besitzt, wird meist nur diese angegeben und die Normalstellung ist damit impliziert.

Bezeichnung

Beschreibung

Beispiel Darstellung R&I

Normally Open (NO)

Armatur befindet sich während des normalen Anlagenbetriebs in offener Stellung.

Normally Closed (NC)

Armatur befindet sich während des normalen Anlagenbetriebs in geschlossener Stellung.

Verriegelungsstellung

Die Verriegelungsstellung (locked position) wird angegeben, wenn eine Armatur in geöffneter oder geschlossener Stellung gesichert und somit gegen unbefugtes Betätigen geschützt ist. Die Verriegelung wird typischerweise bei nicht-automatisierten Armaturen mit manuellem Aktuator angewandt. Ein gängiges Beispiel für die Verwendung von Verriegelungen im geschlossenen Zustand sind Entleerungsarmaturen, welche im laufenden Betrieb keinesfalls geöffnet werden sollen. Verriegelungsstellungen sind somit organisatorische Maßnahmen beim Betrieb der Anlage.

Die Verriegelung wird gängigerweise entweder durch dafür vorgesehene Bohrungen zur Anbringung eines Vorhängeschlosses am Aktuator (z.B. Handhebel) oder durch das Anbringen eines Verriegelungskabels oder einer Kette erreicht.

Für die verschiedenen Stellungen haben sich auch im deutschsprachigen Raum die englischen Abkürzungen LO und LC durchgesetzt. Diese werden auch oft übergreifend für eine Verriegelung, unabhängig des Typs verwendet. Die Verriegelungsstellung wird sowohl in der Armaturenliste eingetragen, als auch im R&I abgebildet. Die Darstellung im R&I erfolgt entweder nur mit Abkürzung (rechts), oder mit zusätzlichem Symbol nach DIN 28000-4 (links).

Bezeichnung

Beschreibung

Beispiel Darstellung R&I

Locked Open (LO)

Armatur gegen unbefugte Betätigung durch ein Vorhängeschloss in offener Stellung gesichert.

Locked Closed (LC)

Armatur gegen unbefugte Betätigung durch ein Vorhängeschloss in geschlossener Stellung gesichert.

Car Sealed Open (CSO)

Armatur gegen unbefugte Betätigung durch ein Verriegelungskabel in offener Stellung gesichert.

Car Sealed Closed (CSC)

Armatur gegen unbefugte Betätigung durch ein Verriegelungskabel in geschlossener Stellung gesichert.

Sicherheitsstellung

Die Sicherheitsstellung (fail position), auch Ausfallstellung genannt, gibt an in welche Stellung die Armatur sich bewegt, wenn ihre Energie- (z.B. Instrumentenluft) oder Steuersignale ausfallen. Die Ausfallstellung wird meist nur für stetige Regelarmaturen und nicht für Absperrarmaturen angegeben.

Für Armaturen wird die Ausfallstellung basierend auf Sicherheits- und Prozessanforderungen definiert und diese dementsprechend ausgewählt. Mechanisch wird die Sicherheitsstellung vorwiegend durch Federkraft erreicht, welche die Armatur in die entsprechende Richtung bei Ausfall der Hilfsenergie oder Steuersignale bewegt.

Folgende Ausfallstellungen werden gängigerweise verwendet. Hierbei haben sich auch im deutschen Sprachraum die englischen Bezeichnungen und Abkürzungen durchgesetzt. Im Beispiel ist eine allgemeine Armatur mit Membranaktuator zu sehen, mit Symbolen nach DIN 28000-4 (links) und mit Abkürzungen als Anmerkungen (rechts).

Bezeichnung

Beschreibung

Beispiel Darstellung R&I

Fail Open (FO)

Bei Ausfall der Hilfsenergie nimmt die Armatur die Stellung für maximalen Massenstrom ein.

Fail Close (FO)

Bei Ausfall der Hilfsenergie nimmt die Armatur die Stellung für minimalen Massenstrom ein.

Fail Last oder Fail Locked (FL)

Bei Ausfall der Hilfsenergie bleibt die Armatur in der zuletzt eingenommenen Stellung.

Fail Last/Drift Open (FL/DO)

Bei Ausfall der Hilfsenergie bleibt die Armatur in der zuletzt eingenommenen Stellung und wird durch den Massenstrom komplett aufgedrückt.

Fail Last/Drift Closed (FL/DC)

Bei Ausfall der Hilfsenergie bleibt die Armatur in der zuletzt eingenommenen Stellung und wird durch den Massenstrom komplett zugedrückt.

Normenverzeichnis

NummerBezeichnung
DIN 28000-4Chemischer Apparatebau – Dokumentation im Lebensweg von Prozessanlagen – Teil 4: Graphische Symbole für Armaturen, Rohrleitungen und Stellantriebe
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